Dreck ist gesund

 

Sandkuchen – absolut bio und gesund! Oder?

„Nein, Leo, tu´s nicht!!!“ Zu spät: Floopppp! Leo hat seinen Schnuller mit Entschiedenheit aus dem Mund gezogen und beherzt in den Sandkasten geworfen. Panierter Schnulli – hmmm, lecker!

Eltern kennen diese Situation. Alles, was Kleinkinder in die Hände bekommen, landet früher oder später im Mund. Und irgendwann mit Sicherheit auch auf dem Boden. Beim „panierten Schnuller“ ist die Entscheidung klar, der kann nicht wieder zurück in den Mund wandern. Weniger allerdings wegen gefährlicher Bakterien, sondern weil es so unangenehm knirscht und kratzt.

Und wie ist das mit den Bauklötzen, die erst unbeachtet auf dem Küchenboden zwischen diversen Bröseln vom Frühstück herumlungern und kurz darauf hingebungsvoll abgelutscht werden? Oder mit dem Kuscheltier, das mal eben quer durch den Gemüsebrei gezogen wird und an dessen Ohren man noch Tage später so wunderbar zuzeln kann, weil es so angenehm süß schmeckt? Und was ist mit der Breze, die auf den Gehweg fällt und panisches Geschrei auslöst, wenn sie nicht sofort wieder zur Verfügung steht? Kurz nach grobem Schmutz absuchen und zurückgeben? Oder vorsichtshalber wegwerfen? Wir meinen: Je gelassener Sie mit allen Hygieneempfehlungen umgehen, desto besser ist es. Und zwar nicht nur für Ihr Kind, sondern auch für Ihre Nerven!

Das ist mir schmutz-egal! Sparen Sie sich also das tägliche Wischen der Wohnung und beginnen Sie auch nicht, das Spielzeug Ihres Sprösslings auszukochen oder zu desinfizieren. Zwar werden mittlerweile unzählige spezielle Reinigungsmittel angeboten, die uns vermitteln, dass sie unsere Umgebung keimfrei halten, doch nötig ist das alles nicht. Im Gegenteil: Völlige Keimfreiheit ist gar nicht wünschenswert. Viele Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die von Klein auf mit einer gewissen Dosis an Schmutz und Keimen aufwachsen, viel seltener von Allergien und Infektionen geplagt werden. Wir sind von einer Vielzahl an Bakterien umgeben, sie gehören zu unserem Leben und lassen sich nicht vermeiden. Und vor allem sind sie nicht grundsätzlich gefährlich, sondern sogar hilfreich, denn sie stärken das Immunsystem. Hier gilt das Motto: Schmutz ist Schutz. Wohingegen in vielen Reinigungsmitteln chemische Stoffe enthalten sind, die dem Menschen gefährlich werden können. Gönnen Sie Ihrem Kind deshalb lieber ein paar „natürliche“ Schmutzbakterien!
Achtung! Bakterien-Alarm!

Haushaltsüblicher Schmutz stellt also keine Gefahr dar und auf dem Spielplatz oder im Garten lauern normalerweise ebenfalls keine größeren Risiken. Vorsicht ist allerdings angebracht, wenn freilaufende Tiere ins Spiel kommen, denn im Hunde- oder Katzenkot können sich tatsächlich gefährliche Erreger befinden. Kritisch wird es auch dort, wo es sich Keime und Bakterien so richtig gemütlich machen, zum Beispiel im Mülleimer oder – oft unterschätzt – im Spültuch oder Spülschwamm. Mit letzteren also den lieben Kleinen bitte nicht die Hände oder gar den Mund abwaschen und stattdessen möglichst oft austauschen, denn Keime und Bakterien verteilen sich logischerweise auch auf Flächen, die Sie damit abwischen. Was vielen Eltern ebenfalls nicht klar ist: Auch Bakterien, die Karies auslösen (Streptokokkus mutans), können übertragen werden. Deshalb bitte nie den Breilöffel oder den Schnuller selbst in den Mund nehmen, sonst wandern – noch bevor die ersten Zähnchen des Babys durchbrechen – die Karies-Bakterien in den Babymund und besiedeln dort die noch nicht vollständig ausgeprägte Mundflora.

Fazit: Wer gut informiert ist, kann mit kleinen Maßnahmen große Wirkung erzielen, ohne dem Putz- und Hygienewahn zu verfallen. Schmutz ist nämlich nicht gleich Schmutz – denn letztlich sind Kinder gut gegen Bakterien-Angriffe gerüstet. Es lohnt sich also nicht, mit diesem Thema groß Staub aufzuwirbeln.